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Die Stadtwerke und das Erbe der Discounter

Lange Zeit galten sie als besonders ausgeschlafen. Agil, gut informiert und bestens vernetzt. Erfolgreich sowieso, einfach modern. So jedenfalls haben sie sich gern geriert, wenn sie Freunden oder Bekannten clevere Empfehlungen in puncto neuer, besonders preisgünstiger Energieanbieter gegeben haben. Gemeint sind die sogenannten Tarif- oder Bonus-Hopper. Immer auf dem Sprung, einen noch billigeren Anbieter für Strom oder Gas aufzustöbern. Allzeit bereit für den schnellen Wechsel. Eine Rechnung, die in „guten Zeiten“ aufgehen kann. Doch dann der Paukenschlag. Laut Bundesnetzagentur (BNetzA) haben im letzten Jahr knapp 40 Energieanbieter angekündigt, die Belieferung ihrer Kunden einzustellen, oder es bereits getan. Immer mehr Verbraucher werden zumeist von Billiganbietern aus ihren Verträgen gedrängt.

 

Die Pandemie und das Prinzip der Grundversorgung

Für Kundinnen und Kunden – so viel vorab –, die von ihrem Strom- oder Gasversorger fallen gelassen werden, fließen Strom und Gas nach wie vor ohne Unterbrechung weiter. Das ist in Deutschland geregelt. In solchen Fällen greift das Prinzip der Grundversorgung. Letzteres besagt, dass „Gestrandete“ von ihren jeweiligen örtlichen Grundversorgern – meistens sind das die Stadtwerke – aufgefangen werden. Diese sind als Unternehmen, die in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden beliefern, von Gesetzes wegen dazu verpflichtet.

 

So lassen die Stadtwerke natürlich niemanden im Regen stehen. Für jeden wird selbstverständlich auch in Zukunft gesorgt sein, auch wenn eine solche Notsituation für Versorger mittelfristig eine Mehrbelastung mit sich bringt. Durch ihr typisches vorausschauendes und vernünftiges Wirtschaften waren seriöse Energieversorgungsunternehmen (EVU) wie die Stadtwerke selbst in Krisenzeiten wie diesen immer noch sehr gut aufgestellt und belastbarer als das Gros ihrer neueren, primär gewinnorientierten Mitstreiter am Markt.

Doch zunächst der Reihe nach. Was genau war eigentlich passiert? Als eine Folge der Pandemie hat nach spürbaren Einbrüchen durch Kontaktbeschränkungen in der Industrie die wiedereinsetzende wirtschaftliche Erholung die weltweite Nachfrage nach Energie drastisch angekurbelt. An erster Stelle nach Erdgas. Das hat an den internationalen Börsen eine veritable Preisexplosion ausgelöst, die wesentlich für das derzeitige Hochpreisniveau ausschlaggebend ist. So sind die weltweiten Gaspreise seit Jahresbeginn 2021 um rund 170 Prozent gestiegen. Strom, der zum Teil in Gaskraftwerken erzeugt wird, bewegt sich demnach in einer ähnlichen Größenordnung. In der Folge führen die extrem gestiegenen Beschaffungskosten für Energie bei vielen Versorgern, besonders den Billiganbietern, zu einer wirtschaftlichen Schieflage.

 

Die Kehrseite der Medaille oder „Short ist Mord“

Während alteingesessene Versorgungsunternehmen mit langfristig angelegten Strategien seit jeher unbeirrt ihre seriöse Einkaufspolitik verfolgen, decken sich Billiganbieter oftmals nur sehr kurzfristig am sogenannten Spotmarkt ein. Das hat in Niedrigpreiszeiten zu temporär vergleichsweise günstigeren Konditionen auch funktioniert. So „auf Kante genäht“ ohne Backup oder großartige Reserven für „schlechte Zeiten“ war es für sie lange Zeit ein Leichtes, Tarife zu kreieren, Lockangebote, die die fair kalkulierten Modelle der Grundversorger regelmäßig unterboten.

 

Jene Billigtarife haben den „Discountern der Branche“ – befeuert durch die Verbreitung über die einschlägigen Vergleichsportale – viele Neukunden beschert. Die Schattenseite einer derart kurzfristig ausgerichteten Geschäftspraktik tritt jetzt nach dem Motto „Short ist Mord“ ungeschminkt zutage. Zahlreiche Kunden verlieren ihre Energieversorger, da diese Insolvenz anmelden, kurzerhand die Lieferungen verweigern oder Verträge einfach kündigen. Ein Dilemma für die meisten, allen voran die Kunden, und eine Mehrbelastung für jene Anbieter, die wie die Stadtwerke seit über 100 Jahren verantwortungsvoll und partnerschaftlich mit ihnen umgehen.

 

Verantwortung - die hehre Philosophie der Stadtwerke

Nach Lage der Dinge also streichen bestimmte Anbieter in Niedrigpreiszeiten hohe Gewinne ein, um sich dann nicht mehr um ihre Kunden zu kümmern, sobald die Preise steigen. Eine zumindest unfaire Praxis. Ganz anders im Grundsatz ihrer Philosophie die Grundversorger. Im Einkauf seriöser EVU wie der Stadtwerke sitzen erfahrene Experten, die die internationalen Märkte Tag für Tag beobachten. An den Börsen kaufen sie Energie mit großem Vorlauf teilweise mehrere Monate bis Jahre im Voraus ein. So können sie resilienter und verlässlicher auf kurzfristige und heftige Preisschwankungen am Markt reagieren und müssen diese nicht 1:1 an ihre Kunden weitergeben. Darauf fußt ihr Auftrag rund um Versorgungssicherheit und Daseinsvorsorge in einer kritischen Infrastruktur, den sie ohne Wenn und Aber täglich leben und erfüllen.

 

Besondere Rolle treuer Bestandskunden

Alle Kunden, Neu- und Bestandskunden, von Stadtwerken genießen generell dieselben großen Vorzüge wie Versorgungssicherheit und Verlässlichkeit, Seriosität und kompetente Beratung durch den persönlichen Ansprechpartner vor Ort. Bestandskunden spielen mit ihren langfristigen Verträgen auch jetzt bei der Wiederaufnahme geprellter „Discounter-Kunden“ eine tragende Rolle. Denn je mehr von ihnen ein EVU an sich binden kann, desto verlässlicher und sicherer können seine Spezialisten in die Zukunft planen und beispielsweise Energiemengen im Voraus beschaffen. Mit den bekannten Vorteilen für alle Beteiligten. Je mehr dieser festen Bestandskunden ein Stadtwerk verzeichnet, desto deutlicher kommen die Benefits seiner auf Versorgungssicherheit ausgerichteten Strategie allen zugute. In stürmischen Zeiten ganz besonders. Sie können ihren Kunden Unsicherheiten und größere Preissprünge effizient und verlässlich ersparen.

 

Daher gilt ihr spezielles Augenmerk den treuen Bestandskunden, die sich derzeit angesichts der aktuellen Gaspreiskrise teilweise mit 24-monatigen Festpreisgarantien die Hände reiben können und der Gaspreiskrise ganz gelassen begegnen. An ihnen geht die Krise nahezu spurlos vorbei. Und das ist auch gut so und sollte nach dem Willen der seriösen EVU auch so bleiben. Denn Treue muss insoweit belohnt werden, als sie in diesem Fall der Sache und der Allgemeinheit dienlich ist.

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