„Energiepreise verstehen“ – dein Kompass in einem komplexen Markt

Der Ausstieg aus der Atomenergie ist vollzogen und fossile Energieträger sollen perspektivisch sukzessive durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Doch die Energiewende stellt Deutschland vor große Herausforderungen, die immense Investitionen erforderlich machen. Die Energiepolitik spielt eine entscheidende Rolle, wenn Deutschland seine Klimaziele bis 2045 erreichen und gleichzeitig als Industriestandort zukunftsfähig sein will. 

Gleichzeitig ist für die meisten Menschen in einer modernen Gesellschaft die Verfügbarkeit von Energie rund um die Uhr – sei es Strom aus der Steckdose oder Erdgas aus der Leitung – selbstverständlich geworden. Energie sollte, erstens verfügbar, zweitens bezahlbar und drittens umweltverträglich sein.

Heute ist der deutsche Energiemarkt durch das Zusammenspiel von staatlicher Regulierung, komplexen Preisstrukturen und der Dezentralisierung im Zuge der Energiewende geprägt. Wer diese Strukturen besser verstehen möchte, braucht vor allem verständliche Informationen und sollte zunächst den Strom- bzw. Energiepreis nicht etwa als eine fixe Größe betrachten, sondern als dynamisches Konstrukt aus unterschiedlichen Bestandteilen. 

Energiemarkt in Deutschland – wie er funktioniert

 

Historischer Kontext: von der Monopolstruktur zur Liberalisierung 

Bis Ende der 1990er-Jahre war die Energieversorgung in Deutschland durch regionale Gebietsmonopole geprägt, was den Wettbewerb faktisch ausschloss. Verbraucher hatten noch nicht das Recht, ihren Anbieter frei zu wählen. Die Preise wurden durch die Versorger vor Ort bestimmt, die die Netze und den Vertrieb gleichzeitig in einer Hand hielten. Mit den EU-Richtlinien 96/92/EG (Strom) und 98/30/EG (Gas) sowie deren Umsetzung im deutschen Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) wurde dieser Markt sukzessive für weitere Anbieter geöffnet. Die Liberalisierung des Energiemarktes hatte zwei zentrale Konsequenzen: Wettbewerb im Vertrieb und den regulierten Netzzugang für alle Anbieter.

Struktur des deutschen Energiemarktes heute

Der Markt besteht aus mehreren voneinander getrennten Ebenen: Erzeugung, Übertragung (Hochspannung), Verteilung (Mittel- und Niederspannung), Vertrieb und Handel. Dabei ist diese Trennung kein organisatorisches Detail, sondern rechtlich vorgeschrieben (Unbundling, siehe Punkt 3. „Netz und Vertrieb – strikt voneinander getrennt“).

Rolle der Stadtwerke

Vor der Liberalisierung des deutschen Energiemarktes, waren Stadtwerke innerhalb eines geografisch abgegrenzten Versorgungsgebiets häufig „alles in einem“: Energieerzeuger und Netzbetreiber, Verteilunternehmen und Energieversorger gleichzeitig. Damit verfügten sie faktisch über lokale Monopole. Um letztere zu vermeiden und mit Blick auf günstigere Verbraucherpreise Wettbewerb zu ermöglichen, sind die Rolle des Netzbetreibers (staatlich reguliert, kein Wettbewerb) und die des Energieversorgers (Vertrieb, Wettbewerb) jetzt im liberalisierten Markt juristisch und organisatorisch voneinander getrennt. Dem liegen die Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und des europäischen Energierechts zugrunde, nach denen – Stichwort Unbundling – Netzbetrieb und Vertrieb voneinander „entflechtet“ sein müssen.

Als Energielieferant ist die Stadtwerke Merzig GmbH demzufolge für die Versorgung ihrer Kundinnen und Kunden mit Strom und Gas zuständig. Die Netzwerke Merzig GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der SWM, ist als Netzbetreiber für den Betrieb der Strom- und Gasnetze verantwortlich

Energieversorgung - Marktteilnehmer auf einen Blick 

Vereinfacht dargestellt besteht der heutige liberalisierte Markt im Rahmen der Energieversorgung aus drei Ebenen, deren einzelne Akteure wie Zahnräder ineinandergreifen: dem Markt (Handel und Vertrieb), den Netzen (Transport und Verteilung) sowie der Regulierung und Aufsicht. Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken, Windparks, PV-Anlagen sowie Wasserkraftwerken produzieren elektrische Energie. Diese wird an Energiebörsen verkauft. Für die langfristige Preisabsicherung wird Strom vor allem am Terminmarkt der EEX (= Terminmarkt/Futures) gehandelt. Kurzfristige Handelsgeschäfte für den Folgetag oder innerhalb des Liefertages erfolgen überwiegend an der EPEX Spot (= Spotmarkt/Day-Ahead und Intraday).

Während Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) für den Stromtransport über „Stromautobahnen“ und große Entfernungen sorgen, sind Verteilnetzbetreiber (VNB) via „Bundes-, Landes- und Ortsstraßen“ für den Stromtransport über die lokalen Netze etwa zu den Hausanschlüssen der Endverbraucher zuständig. Analog funktioniert die Gasversorgung in Deutschland über Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) und Verteilnetzbetreiber (VNB), die das Gas über regionale Verteilnetze bis zu den Hausanschlüssen transportieren.

Als zentrale Regulierungsbehörde kontrolliert die Bundesnetzagentur (BNetzA) neben dem diskriminierungsfreien Netzzugang durch die Überwachung der Netzentgelte auch die Erlösobergrenzen der Netzbetreiber. Das Bundeskartellamt schließlich überwacht die Einhaltung des Wettbewerbsrechts.

Wie Energiepreise entstehen

 

Der Strompreis und das Merit-Order-Prinzip

Der Strompreis an der Börse entsteht nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip. Dabei werden all jene Kraftwerke, die erforderlich sind, um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten, nach ihren variablen Erzeugungskosten gestaffelt: Zunächst werden diejenigen Kraftwerke eingesetzt, die wie Wind- und PV-Anlagen die niedrigsten variablen Erzeugungs- bzw. Grenzkosten aufweisen. Anschließend werden so lange aufsteigend teurere Anlagen bzw. Erzeugungsarten hinzugezogen, bis die Energieversorgung komplett sichergestellt ist.

Differenzierung: Während Erzeugungskosten die Gesamtkosten für den Bau und Betrieb einer Erzeugungsanlage beschreiben, bezeichnet der Begriff Grenzkosten ausschließlich die variablen Kosten, die für die Erzeugung einer zusätzlichen Kilowattstunde (kWh) Strom anfallen. Das heißt, was es konkret an Kosten beispielsweise für Brennstoff oder CO2-Zertifikate verursacht, wenn dieses Kraftwerk jetzt sofort eine kWh mehr Strom produziert.

Das teuerste Kraftwerk, das am Ende noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken, bestimmt den Börsenpreis. In vielen Marktsituationen werden somit moderne Gaskraftwerke zum preisbestimmenden Kraftwerk. Dieser Preis gilt anschließend unabhängig von der jeweiligen Anlage für den gesamten gehandelten Strom. Hintergrund dieses marktwirtschaftlichen Mechanismus ist, dass für die Versorgungssicherheit, die hierzulande einen hohen Stellenwert genießt, auch teure Kraftwerke wie Gasturbinen oder andere Spitzenlastkraftwerke wirtschaftlich vorgehalten werden müssen, die nur wenige Stunden im Jahr laufen.

Eine wichtige Folge dieses Prinzips: Steht viel Strom aus Wind- und Solaranlagen zur Verfügung, werden teurere Kraftwerke seltener benötigt. Der Börsenpreis kann dann sinken. Werden dagegen zusätzliche (teure) Gaskraftwerke benötigt und steigen gleichzeitig die Gaspreise, wirkt sich dies häufig auch auf den Strompreis aus. So erklärt sich, warum Entwicklungen auf dem Gasmarkt oft auch Auswirkungen auf die Strompreise haben.

Terminmarkt vs. Spotmarkt

Stadtwerke kaufen den Großteil ihrer Energie nicht tagesaktuell ein, sondern beschaffen einen erheblichen Anteil an Terminmärkten, sogenannten Futures, Monate oder gar Jahre im Voraus. Dadurch glätten Stadtwerke kurzfristige Preisschwankungen und reduzieren Beschaffungsrisiken. Das erklärt, warum Preisänderungen an der Börse (Schwankungen nach oben ebenso wie nach unten) nicht sofort und vollständig in ihre Kundentarife einfließen – und warum Preisanpassungen mit zeitlichem Verzug vorgenommen werden.

Der Gaspreis - unterschiedliche Struktur, ähnliche Komplexität 

Gas wird nicht über ein einzelnes Marktprinzip wie Merit Order gehandelt. In der Vergangenheit war Gas, Stichwort Ölpreisbindung, in Europa lange Zeit überwiegend an den Ölpreis gekoppelt. Diese Bindung wurde schrittweise durch Spotmarkt-Handel an Gasbörsen (z. B. TTF, dem virtuellen Handelspunkt im niederländischen Gasnetz oder NCG/GASPOOL in Deutschland, heute THE) abgelöst. Heute ist der TTF-Preis der dominante europäische Referenzpreis für Erdgas. 

Beschaffung nur ein Teil der Kosten

Der Beschaffungspreis ist nur ein Teil des Endpreises. Hinzu kommen Netzentgelte sowie staatlich festgelegte Steuern, Abgaben und Umlagen. Diese Preisbestandteile können wir als Stadtwerke nicht selbst festlegen oder beeinflussen.

So setzt sich der Strompreis zusammen

 

Der Strompreis setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Nur einen Teil – die Kosten für Beschaffung und Vertrieb – können wir als Stadtwerke selbst beeinflussen. Der größere Anteil entfällt auf Netzentgelte sowie staatlich festgelegte Steuern, Abgaben und Umlagen, die wir an die zuständigen Stellen weitergeben. Die folgende Grafik zeigt dir, wie sich der Strompreis grundsätzlich zusammensetzt.

Ein Blick auf die Stromrechnung

Wie sich diese Kosten auf deiner Stromrechnung zeigen, kannst du anhand unserer Musterrechnungen nachvollziehen. Dort sind die einzelnen Preisbestandteile transparent ausgewiesen und verständlich erläutert. 

Netz und Vertrieb - strikt voneinander getrennt

 

Unbundling: Rechtlicher Rahmen

Aus Gründen des Wettbewerbs schreibt das EnWG (§§ 6 ff.) die Entflechtung (Unbundling) von Netzbetrieb und Vertrieb vor. Denn ein Unternehmen, das ein Energienetz betreibt, darf dieses Netz nicht gleichzeitig bevorzugt für seinen eigenen Vertrieb nutzen. Netzbetreiber müssen allen Anbietern diskriminierungsfreien Zugang gewähren. Mit Blick auf die Vermeidung von Monopolsituationen und in der Folge faire Kundenpreise ist das erklärte Ziel hier, Wettbewerb im Vertrieb zu ermöglichen, während das natürliche Monopol des Netzes reguliert bleibt.

Konsequenz für Kunden

Auch wenn Kunden den Energieversorger wechseln, bleibt das Stromnetz dasselbe. Die Energie gelangt weiterhin über das regionale Netz zum Kunden nach Hause, das vom zuständigen Netzbetreiber betrieben und instand gehalten wird.

Ändern kann sich jedoch dein Vertrag mit dem Energieversorger – etwa bei Preis, Vertragslaufzeit, Serviceleistungen oder den angebotenen Tarifen. Deshalb lohnt es sich, bei einem Anbieterwechsel nicht nur auf den Arbeitspreis zu schauen, sondern auch die Vertragsbedingungen und den Kundenservice in die Entscheidung einzubeziehen.

Bei Störungen im Stromnetz, beispielsweise einem Stromausfall, bleibt unabhängig vom gewählten Energieversorger immer der Netzbetreiber dein Ansprechpartner.

Regulierung der Netzentgelte

Die Höhe der Netzentgelte wird nicht von den Netzbetreibern frei festgelegt. Stattdessen unterliegen sie einer staatlichen Regulierung. Die zuständigen Regulierungsbehörden – die Bundesnetzagentur sowie in bestimmten Fällen die Landesregulierungsbehörden – prüfen die Kosten der Netzbetreiber und legen im Rahmen gesetzlicher Vorgaben fest, welche Erlöse sie erzielen dürfen. Auf dieser Grundlage werden die Netzentgelte für sogenannte Regulierungsperioden festgelegt. Ziel ist es, eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten und gleichzeitig für transparente und angemessene Netzkosten zu sorgen.

Info zu den Netzentgelten

Netzentgelte sind ein Bestandteil deines Strom- oder Gaspreises. Sie werden vom zuständigen Netzbetreiber erhoben und dienen dazu, die Kosten für den Betrieb, die Wartung sowie den Aus- und Umbau der Strom- und Gasnetze zu decken. Als Energieversorger führen wir diese Entgelte an den jeweiligen Netzbetreiber ab – ihre Höhe können wir nicht selbst festlegen oder beeinflussen.

zum Netzbetreiber

Politische und regulatorische Einflüsse auf den Energiepreis

 

Europäischer Emissionshandel (EU-ETS

Kraftwerksbetreiber müssen für CO₂-Emissionen Zertifikate kaufen. Der Preis dieser Zertifikate fließt in die Grenzkosten fossiler Kraftwerke ein und beeinflusst damit über das Merit-Order-Prinzip den gesamten Börsenstrompreis. Die politische Absicht (Lenkungswirkung) ist explizit: CO₂ soll teurer werden, um Investitionen in emissionsfreie Erzeugung zu lenken

Nationaler CO₂-Preis (BEHG) 

Seit 2021 ergänzt der nationale Brennstoffemissionshandel das EU-ETS für die Sektoren Wärme und Verkehr. Erdgas zu Heizzwecken wird dadurch kontinuierlich teurer. Der Preispfad ist gesetzlich festgelegt, unterliegt aber politischen Änderungsrisiken.

Geopolitische Risiken 

Die Energiekrise der Jahre 2021/2022 hat gezeigt, wie stark Energiepreise von geopolitischen Entwicklungen abhängen – allen voran bei Erdgas. Importabhängigkeiten, Pipeline-Infrastruktur und LNG-Kapazitäten sind strukturelle Faktoren, die Preisvolatilität erzeugen.

Steuern und Abgaben als politisches Instrument 

Ein erheblicher Teil des Energiepreises besteht aus staatlich festgelegten Bestandteilen (Stromsteuer, Konzessionsabgabe und künftig möglicherweise neuen Abgaben). Diese sind demokratisch legitimierte Entscheidungen, aber keine Marktpreise. Kunden sollten demnach wissen, welcher Anteil ihres Preises politisch steuerbar wäre.

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Wir unterstützen dich gerne:

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Stadtwerke Merzig GmbH

Telefon: 06861 7006-100